© Eduard Erhart 2020
Energetisches Pulsieren

Heilende Berührung

Körperlich und seelisch gesund sind wir dann, wenn unsere Lebensenergie frei in uns fließen kann. Auf dieser Grundlage haben Menschen schon vor Tausenden von Jahren äußerst wirksame Heilmethoden entwickelt. Dabei ist es offenbar unsere Körperoberfläche, unsere Haut, über die wir besonders wirksam den Fluss unserer Lebensenergie beeinflussen können. Letztlich geht es um Berührung, um Berührung in unterschiedlichen Formen, die tief in unseren Körper wirkt, die das zentrale Element der Heilung ist. Tatsächlich ist Berührung das Grundlegendste für uns Menschen. "Berührt-Sein" - im körperlichen wie auch im geistigen Sinn - ist die grundlegende Art, wie wir mit der Welt um uns herum und damit mit uns selbst in Verbindung kommen. Nur wenn wir uns "berühren" lassen, können wir auf einer tiefen Ebene mit dem Leben in Kontakt kommen. "Berührungspunkte" sind für uns die Energiespender des Lebens - das was uns zum Leben erweckt. Entscheidend ist jedoch, wie wir berührt werden, wie wir uns berühren lassen. Es müssen Berührungen sein, die nicht nur bestimmte Reize erzeugen, sondern auch eine liebevolle Qualität haben. Je liebevoller wir berührt werden, desto tiefer kann die Berührung in uns gehen und desto stärker kann sie dadurch den Lebensfluss in uns in Gang bringen. Liebevoll sind Berührungen dann, wenn sie nicht angespannt, hart und mechanisch, sondern weich, gefühlvoll und lebendig sind, und wenn sie voll zarter Schwingungen sind, wenn in ihnen ein schmelzendes und belebendes Pulsieren ist. Und tief gehen Berührungen dann, wenn wir von ihnen in dem zartesten Punkt, den wir in uns haben, berührt werden. Körperlich befindet sich dieser Punkt in unserer Mitte, im Innersten unseres Beckens. Jede liebevolle körperliche Berührung kann uns in diesem Punkt berühren. Denn alle Energiebahnen (Meridiane) unseres Körpers führen in dieses sakrale Zentrum. Egal an welcher Stelle unseres Körpers wir berührt werden, die Energie dieser Berührung fließt immer in unseren Becken-Bauch-Raum - wenn die Berührung liebevoll ist – und besonders wenn sie dabei fein pulsierend ist – wenn wir sie tief in uns hineinlassen - uns im Inneren unseres Beckens und unseren ganzen Körper weit für sie öffnen - und unsere Wahrnehmung für diesen Energiefluß schulen – und sie somit wirklich frei fließen kann. Jede liebevolle Berührung unseres Körpers kann weiche, strömende Lebensenergie tief in unserem Becken auslösen. Nur fühlen wir das so oft nicht, weil wir gelernt haben, unsere Aufmerksamkeit nicht zu sehr auf unser Becken zu richten, die (feinen) Gefühle in unserem Becken nicht zu sehr zu beachten und uns im Inneren unseres Beckens nicht zu sehr zu öffnen, sondern uns eher zu verschließen. Dadurch fühlen wir in unserem Becken oftmals nur wenig - und aus unbeachteten weichen, fließenden Gefühlen werden nach und nach angespannte, stockende Gefühle, die uns überall in unserem Körper in Spannungen versetzen können. Denn alles Weiche in uns, das wir nicht fühlen möchten und aus unserem Bewusstsein verdrängen, äußert sich auf Dauer mehr und mehr als etwas Angespanntes, Hartes, Verkrampftes, lieblos Drängendes, Zwingendes. So kommt durch das Nicht-fühlen-Können unserer tiefsten Gefühle die fehlende Liebe in unsere Welt. Unser Körper ist niemals starr. Er ist stets belebt von feinen Schwingungen, die wir mit ebenso feinen wiegenden Berührungen aufnehmen und mehr und mehr verstärken können. Wie bei einem mit Flüssigkeit gefüllten Ballon setzen sich die Wellen unserer Berührungen nach innen fort. Von hier steigt unsere Lebensenergie als ein nie versiegender Strom äußerst zarter und zugleich machtvoller Gefühle in uns nach oben und erfüllt unser Herz und unseren Geist mit einem liebenden Sehnen. Durch unseren ganzen Körper und besonders durch unser Gesicht drücken wir sie nach außen aus. Von dort fließt unendliche Energie wieder zu uns herein. Je mehr wir andere geistig und körperlich nah an uns heran lassen und ihre Energie, wie immer sie auch ist, in unserem Zentrum in weiche, schmelzende Gefühle verwandeln, je mehr wir mit unserem ganzen Körper bis in unsen Becken-Bauch-Raum hinein dafür durchlässig werden, desto stärker kann alle Energie von außen zu unserer eigenen, liebenden Lebensenergie werden und auf wunderbare Weise uns beleben. Sanft pulsierende Berührungen sprechen die tiefste Ebene in uns an, unser elementarstes Erleben, unsere ursprünglichsten Erfahrungen von liebevollem rhythmischem Bewegt-, Gedrückt-, Gestreichelt- und Gehaltenwerden, ohne die wir nicht ins Leben kommen können. Sie dringen zur Quelle unserer Lebenskraft vor, in der zugleich unsere verletzlichsten und existenziellsten Erfahrungen verborgen sind, in der unser Inneres Baby wohnt, in der all das unser Leben lang vorhanden bleibt, was wir am Grundlegendsten für unser Leben brauchen. Mit diesen Berührungen haben wir die Möglichkeit, uns mit all dem zu verbinden, und uns jetzt das zu geben, was wir damals nicht genügend bekommen haben, und auch das, was danach alles nicht genügend war. Es ist ein Erwecken der Kundalinienergie, wie sie bereits vor Jahrtausenden in östlichen Religionen beschrieben wurde. Sie ist eine unermessliche Kraft, die in unserem Becken schlummert, eine enorme, machtvolle zärtliche Energie, die die meisten Menschen mehr oder weniger stark ständig zurückhalten, ständig aus ihrem Bewusstsein halten - statt sie ständig in sich aufsteigen, durch sich hindurchfließen und zu anderen Menschen und zu allem hinströmen zu lassen. Wir haben Angst vor dieser Kraft, denn sie kann so groß, so grenzenlos, so heftig und überwältigend sein, dass sie richtig weh tun kann - und bei so vielen Menschen mit frühen traumatischen Erfahrungen sogar extrem weh tun kann. Deshalb verschließen wir uns lieber den tieferen Gefühlen aus unserem Inneren oder überdecken sie mit anderen Gefühlen, die uns nicht so gefährlich nah an unseren Schmerz, an unser stärkstes Sehnen bringen. Wenn wir jedoch beginnen, Schmerz als einen Ausdruck unserer innersten Freude anzusehen, als einen Ausdruck von dem, was uns das Wichtigste und Wertvollste ist, von dem, was unser Eigenstes, Persönlichstes ist, was uns als einen einmaligen Menschen ausmacht, dann können wir auch beginnen, in diesem Schmerz tatsächlich unsere Freude zu fühlen und ihn dadurch nicht mehr als etwas Niederdrückendes, sondern als etwas Aufbauendes zu erleben. Dann werden wir wirklich bereit dafür sein, unsere Lebensenergie in ihrer ganzen unglaublichen Stärke und Tiefe in uns strömen zu lassen – und zu der Lebendigkeit und glückbringenden Gesundheit zu kommen, die uns von Natur aus so sehr zu eigen ist.
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